09.08.2026 Übersicht

Google E-Mail Verification Protocol: Das Ende von Double Opt-in?

Mit regionaler Personalisierung Kampagnen erfolgreicher machen

Das Double Opt-in (DOI) Verfahren beim Anmeldeprozess für Newsletter & Co. ist ein seit Jahrzehnten etabliertes und bewährtes Verfahren.

Es lassen sich damit zwei Dinge erreichen:

  • Man kann damit sicherstellen, dass nur derjenige den Newsletter bekommt, der sich auch tatsächlich dafür angemeldet hat.
  • Man kann gleichzeitig auch die Gültigkeit der E-Mail-Adresse überprüfen, weil das Double Opt-in Mail bei einer ungültigen Adresse nicht erfolgreich zugestellt werden könnte und damit nicht im Verteiler landet.

Doch das DOI Verfahren hat einen wesentlichen Nachteil: Es gehen dadurch Anmeldungen verloren. Und zwar ein erheblicher Anteil, nämlich im Durchschnitt stolze 27% (Lesetipp: „Studie: Wie viele Anmeldungen verlieren Sie im DOI-Prozess?“)

Auch wenn es rund um den Anmeldeprozess einige Best Practices gibt (Lesetipp: „So verringern Sie die DOI-Verlustrate“), völlig reduzieren lässt sie die Verlustrate in der Praxis nicht.

 

Agenten verstärken die Verlustrate.

Dazu kommt, dass die zunehmende Verbreitung von KI-Agenten die Verlustrate vermutlich eher weiter in die Höhe schrauben wird.

Denn wenn die Agenten beispielsweise keinen Zugriff auf das E-Mail Postfach haben, können sie auch den Verifizierungs-Link nicht „anklicken“ und der Anmeldeprozess läuft ins Leere.

 

Google EVP: Verifikation ohne Double Opt-In

Google hat im Juli 2026 ein neues Verfahren vorgestellt, das diese Friktion im Anmeldeprozess eliminieren soll. Das „E-Mail Verification Protocol“ (EVP), eine API (Programmier-Schnittstelle).

Die Idee dahinter: Wenn ein User seine E-Mail-Adresse bei einem Formular auswählt (über die Autofill-Funktion des Browsers), wird versteckt ein kryptographischer Schlüssel vom Browser an den zuständigen Mail-Provider übergeben, der damit die Identität des Users überprüfen kann; der User muss dazu parallel in sein Mail-Programm eingeloggt sein.

Die Anmeldeseite erhält anschließend einen kryptografisch abgesicherten Nachweis, dass die angegebene E-Mail-Adresse tatsächlich dem User gehört. Danach kann das Formular regulär abgeschickt und der User in den Verteiler aufgenommen werden - ohne DOI!

 

Ein (großer) Vorteil, viele (große) Nachteile.

Auch wenn es natürlich begrüßenswert wäre, die Hürde beim Anmeldeprozess zu verringern, so hat das neue Verfahren aus meiner Sicht nur einen großen Vorteil: Auf das Double Opt-in Mail kann verzichtet werden und der User bleibt für den gesamten Anmeldeprozess auf der Website.

Doch dem stehen eine ganze Reihe von Nachteilen bzw. Problemen gegenüber:

  • Der User muss immer gleichzeitig bei seinem Mail-Provider eingeloggt sein. Das scheint vielleicht in den USA mit der großen Verbreitung von Gmail möglich zu sein, doch in Europa werden das nur wenige Benutzer tun. Im B2B-Bereich kann man das aktuell wohl fast völlig ausschließen.
  • Es funktioniert damit auch nur mit Mail-Programmen, die im Browser aufgerufen werden. Bei Desktop-Applikationen oder Mail-Programme auf Smartphones funktioniert EVP nicht.
  • EVP funktioniert derzeit nur, wenn der User seine E-Mail Adresse aus der Autofill-Funktion des Browsers wählt, nicht wenn er sie manuell eintippt (Google: “Support for manually typed addresses is planned for a future release.”).
  • Sehr viele E-Mail Provider müssten EVP unterstützen. Derzeit ist das vorwiegend Google selbst mit Gmail. Ob hier tatsächlich viele große Provider, insbesondere in Europa (z.B. GMX), mitziehen werden, ist mehr als fraglich.
  • Auch alle Browser-Hersteller müssen EVP unterstützen. Derzeit ist das nur Chrome. Noch gibt es keine belastbare Information, ob andere Browser-Hersteller EVP unterstützen werden.
  • EVP bestätigt lediglich den Verfügbarkeit des Users über die E-Mail-Adresse. Ob Ihre Newsletter im Posteingang, im Spam-Ordner oder gar nicht ankommen, bleibt offen.
  • Unternehmen müssen ihre bestehenden Verifizierungsprozesse anpassen, gleichzeitig aber weiterhin klassische Bestätigungen per E-Mail anbieten, solange EVP nicht flächendeckend verfügbar ist. Das erhöht sowohl Komplexität als auch den laufenden Wartungsaufwand.
  • Auch wenn EVP den Webseitenbetreiber gegenüber dem E-Mail-Anbieter anonymisieren soll, bestehen in der Community Bedenken hinsichtlich der Verarbeitung personenbezogener Daten in Zusammenhang mit amerikanischen Unternehmen.
 

Und: Keine Dokumentation der Zustimmung!

Es gibt aber noch einen weiteren großen Nachteil, der vor allem für Unternehmen in Europa relevant ist: Die Zustimmung des Benutzers (um einen Newsletter zu erhalten) muss laut DSGVO dokumentiert werden, denn im Streitfall muss nachgewiesen werden können, dass sich der User tatsächlich und persönlich registriert hat.

Doch das ist mit EVP nicht möglich. Es wird lediglich die Inhaberschaft der E-Mail-Adresse überprüft.  Für ein sauberes Consent-Management (inkl. der Dokumentationspflichten) ist das vermutlich nicht ausreichend.

Außerdem: Über den Verifizierungs-Link des DOI-Mails lassen sich Klicks und Conversion-Schritte gut im Reporting abbilden. Man kann also gut analysieren, in welchem Schritt Anmeldungen verloren gehen. Diese Möglichkeit ist bei EVP nicht in dem gleichen Ausmaß gegeben.

 

Fazit: Mehr Herausforderungen als Vorteile.

Man darf nicht vergessen, dass EVP sich derzeit im Beta-Stadium befindet und sicherlich noch nicht perfekt ist.

Doch nach dem aktuellen Stand ist mehr als unklar, ob die Nachteile nicht doch deutlich schwerer wiegen als der Vorteil, der sich durch die Eliminierung des Double Opt-in Mails ergeben würde.

Wenn ich eine Wette wagen müsste: EVP wird sich nicht durchsetzen.

Ihr Trainer: Mag. Michael Kornfeld

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